Brexit : Gefahr oder Chance für deutsche Unternehmen?

[englischer Text]

Die sogenannte Brexit führt zu einer veränderten Geschäftsumwelt, die deutsche Unternehmungen für sich ausnutzen oder von sich weisen können.

Es war der Wettbewerb mit Großbritannien, der Deutschland angespornt hatte, die letzten Neuerungen im Unternehmensrecht einzuführen. Der beabsichtigte Ausstieg der Briten aus der EU könnte etwas ganz Ähnliches bewirken.

Erst 2008 hatten die Deutschen eine neue Unternehmensform, die sogenannte Unternehmensgesellschaft (haftungsbeschränkt), eingeführt (abgekürzt UG, oder „Mini-„ und „1-Euro-GmbH“) als Reaktion auf die britische “limited liability corporation”.  Damit könnten Geschäftsleute beinahe ohne Start- oder „Stammkapital“ ein Unternehmen begründen.

Mit dieser Innovation hat der Gesetzgeber nicht zuletzt auf die sich abzeichnende Tendenz zur Aussiedlung in Deutschland aktiver Unternehmen auf die Insel reagiert.

Arpingstone/ wikimedia

Arpingstone/ wikimedia

Mit dem Brexit könnte es neuerliche Gründe geben, deutsche Tochtergesellschaften im Vereinigten Königreich ins Leben zu rufen. Soviel ist sicher: wenn Großbritannien aus der EU austritt, also den gemeinsamen Wirtschaftsraum verlässt und das Schengener Abkommen zur Öffnung der Grenzen für EU-Bürger aufkündigt, wird sich manches ändern. Wie Premierministerin Theresa May bereits andeutete, könnte ihre Regierung sich dazu entschließen, die Politik der Deregulierung und Steuersenkungen für Unternehmen in Großbritannien noch auszuweiten, damit das Land im globalen Maßstab wettbewerbsfähig bleibt.

Einige deutsche Unternehmen versuchen bereits, mit Firmen-Ablegern auf der Insel Fuß zu fassen, und dies keineswegs nur mit Blick auf die möglicherweise negativen Folgen eines Brexit. Sie hoffen auch von möglichen wettbewerbsfördernden Änderungen in der Gesetzgebung zu profitieren, wenn die Beziehungen zur EU neu bestimmt werden. Dazu würden Vorteile aus bilateralen Handelsverträgen zählen, die Großbritannien mit anderen Handelspartnern weltweit abschließen könnte.

Die Firmen können dies ganz einfach tun, ohne kostspielige Vermittlung durch global agierende Anwaltskanzleien. Dafür gibt es Dienstleister (z.B. Link Legal Solutions Ltd.) mit Pauschalangeboten zur Registrierung haftungsbeschränkter Unternehmen in England und Wales, inklusive Beschaffung einer Postadresse im Vereinigten Königreich und Erstellung der erforderlichen Firmendokumentation.

Eine Registrierung für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Großbritannien lässt sich online in knapp 30 Minuten vornehmen und kostet fast nichts. Gut möglich, dass der Brexit die Zuwanderung deutscher Firmen auf den britischen Markt auf neue Weise anregt – wenn auch aus ganz anderen Gründen, als jenen, die zur Einführung der UGs geführt hatten.